Vers 21
Arjuna sprach: „O Krishna, du Unfehlbarer (Achyuta), stelle meinen Wagen mitten zwischen die beiden Heere.“
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Achyuta – „der Unfehlbare“; ein Beiname Krishnas, Symbol für die unverrückbare Wahrheit inmitten der Unsicherheit.
Vers 22
„Lass mich sehen, wer hier angetreten ist, mit wem ich diesen Kampf ausfechten muss.“
Vers 23
„Lass mich die sehen, die hierhergekommen sind, bereit zu kämpfen, um Duryodhana, dem Sohn Dhritarashtras, zu gefallen.“
Vers 24
Sanjaya sprach: So lenkte Krishna den herrlichen Wagen mitten zwischen die beiden Heere.
Vers 25
Er hielt an vor Bhishma und Drona und den Fürsten der Welt und sprach: „Sieh, Arjuna, hier stehen deine Feinde.“
Vers 26
Arjuna sah dort in beiden Heeren Väter, Großväter, Lehrer, Onkel, Brüder, Söhne, Enkel, Freunde und viele vertraute Menschen.
Vers 27
Als Arjuna alle diese Verwandten und Freunde versammelt sah, von Kampfeslust erfüllt, da sprach er voller Mitleid:
Vers 28
„O Krishna, wenn ich meine eigenen Leute in Schlachtreihen stehen sehe, zittern meine Glieder und mein Mund wird trocken.“
Vers 29
„Mein Körper bebt, meine Haare sträuben sich, mein Bogen Gandiva gleitet mir aus der Hand, meine Haut brennt.“
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Gandiva – Arjunas legendärer Bogen, Sinnbild seiner Aufgabe und Stärke. Ihn nicht mehr halten zu können, zeigt: Der innere Halt bricht weg.
Vers 30
„Ich kann kaum stehen, mein Geist ist verwirrt, ich sehe nur Unheil, o Krishna.“
Vers 31
„Ich sehe keinen Sinn mehr in diesem Kampf. Ich verlange nicht nach Sieg, Königreich oder Glück.“
Vers 32
„Was nützt uns Herrschaft, was Freude – wenn die Menschen, für die wir es wünschen, nun hier im Kampf stehen?“
Vers 33
„Lehrer, Väter, Söhne, Großväter, Onkel, Schwiegerväter, Enkel, Verwandte – alle stehen sie hier.“
Vers 34
„O Krishna, ich will sie nicht töten, auch wenn sie mich töten wollen.“
Vers 35
„Selbst für die Herrschaft über die drei Welten würde ich sie nicht erschlagen – geschweige denn für dieses irdische Königreich.“
Vers 36
„Was hätten wir für Freude daran, unsere Verwandten zu töten? Sünde fiele auf uns, wenn wir das täten.“
Vers 37
„Auch wenn sie, von Gier geblendet, kein Unrecht sehen – warum sollten wir nicht klarer handeln?“
Vers 38
„Wenn eine Familie zerstört wird, geht ihr Dharma verloren. Und wenn Dharma verloren geht, breitet sich Adharma aus.“
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Dharma – innere und äußere Ordnung, das, was trägt.
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Adharma – das Gegenteil: Chaos, Unordnung, Verlust von Orientierung.
Vers 39
„Wenn Adharma wächst, geraten die Frauen der Familie in Not. Ihre Not führt zu Verwirrung der Ordnung und zu neuem Leid für die ganze Gemeinschaft.“
Vers 40
„So wird mit dem Verlust von Dharma Verderben über die Familie gebracht, und die ewigen Werte der Gemeinschaft zerfallen.“