Verse 1–20 (moderne Übersetzung mit Sanskrit-Schlüsseln)
Vers 1
Dhritarashtra sprach:
„O Sanjaya, sage mir, was geschieht auf dem Feld von Kurukshetra, dem Feld des Dharma, wo meine Söhne und die Söhne Pandus sich versammelt haben, entschlossen zum Kampf?“
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Dharmakshetra – „Feld des Dharma“
→ Bild für den Raum, in dem wir uns mit Wahrheit, Ordnung und Pflicht auseinandersetzen.
Vers 2
Sanjaya sprach:
„Als König Duryodhana die Heere der Pandavas aufgestellt sah, ging er zu seinem Lehrer Drona und sprach zu ihm folgende Worte.“
Vers 3
„Sieh, ehrwürdiger Meister, dieses mächtige Heer der Pandavas, aufgestellt von deinem klugen Schüler, dem Sohn Drupadas.“
Vers 4–6
„Dort stehen große Helden, Bogenschützen, Kämpfer gleich Bhima und Arjuna, Yuyudhana, Virata, Drupada, der mächtige König; Dhrishtaketu, Chekitana, der tapfere König von Kasi, Purujit, Kuntibhoja, Shaibya, der Held unter Menschen; Yudhamanyu, Uttamaujas, der Sohn von Subhadra und die Söhne Draupadis – alle große Krieger.“
Vers 7
„Doch höre auch von den besten Männern auf unserer Seite, o Brahmane. Ich will sie dir nennen, damit du sie kennst.“
Vers 8–9
„Da sind Bhishma, Karna, Kripa – stets siegreich im Kampf –, Ashvatthama, Vikarna, und der Sohn Somadattas; viele andere Helden, bereit, für mich ihr Leben zu geben, alle geübt im Krieg, bewaffnet mit verschiedensten Waffen.“
Vers 10
„Unser Heer, beschützt von Bhishma, ist unermesslich. Das Heer der Pandavas, beschützt von Bhima, ist begrenzt.“
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Bhishma – Sinnbild für unerschütterliche Loyalität, auch wenn sie auf der falschen Seite steht.
Vers 11
„Darum alle – bleibt in eurer Stellung! Beschützt Bhishma, von allen Seiten!“
Vers 12
Dann erhob der große Held Bhishma, der Ahnherr der Kauravas, sein gewaltiges Muschelhorn. Sein Klang war wie das Brüllen eines Löwen und brachte Freude in Duryodhanas Herz.
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Shankha – Muschelhorn
→ Zeichen des Beginns, des Rufes in den Kampf – im übertragenen Sinn: der Moment, wo ein innerer Konflikt unausweichlich wird.
Verse 13–15
Da erhoben auch Trommeln, Pauken, Hörner und andere Instrumente einen gewaltigen Klang, sodass der Lärm anschwoll. Auf der Seite der Pandavas bliesen Krishna und Arjuna in ihre göttlichen Muschelhörner:
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Krishna in die „Panchajanya“,
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Arjuna in die „Devadatta“,
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Bhima in die „Paundra“.
Verse 16–18
Auch Yudhishthira blies in die „Anantavijaya“, Nakula in die „Sughosa“, Sahadeva in die „Manipushpaka“. Der König von Kasi, Shikhandi, Dhrishtadyumna, Virata, Satyaki, Drupada, die Söhne Draupadis und der Sohn Subhadras – sie alle bliesen in ihre Muschelhörner.
Verse 19–20
Der Klang dieser Hörner zerriss den Himmel und die Erde und erschütterte die Herzen der Söhne Dhritarashtras. Arjuna, der Sohn Pandus, stand in seinem Streitwagen, gespannt den Bogen erhebend, bereit zu kämpfen.